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Rassismus in Deutschland

„Hast du in deinem Alltag schon einmal Rassismus erlebt?“, fragt mich meine Arbeitskollegin. Ich denke kurz nach und sage: „Ja, aber ich bin nicht mehr der Mensch, der sich tagelang Gedanken darüber macht.“ antworte ich ihr. Wir kamen auf das Thema, weil die Tochter meiner Arbeitskollegin eine schwarze Freundin hatte, die das Gefühl hatte für ihr Aussehen von ihren deutschen Mitbürgern in eine Schublade gesteckt zu werden.

 

Diese einfache, jedoch tiefgründige Frage meiner Arbeitskollegin brachte mich an dem Tag noch lange zum Nachdenken. 

Ich erinnerte mich zurück an meine Ausbildung in einem 5-Stene-Hotel, konkret an eine bestimmte Situation mit einer älteren Frage. Zu der Zeit arbeitete ich an der Rezeption. Die ältere Dame fragte mich, wo die Toiletten seien. An dem Tag war ich etwas verschnupft, was sie anhand meiner Stimme auch merkte. Ich führte sie zu den Gästetoiletten. Dabei hielt sie großen Abstand von mir. Ich dachte, ich würde zu schnell gehen und verlangsamte mein Tempo. Sie jedoch auch. Dann blieb ich einfach stehen. Ein paar Schritte vor mir tat sie es mir gleich. „Ist alles in Ordnung?“, fragte ich sie. „Bei mir ist alles in Ordnung, aber bei Ihnen anscheinend nicht. Sie sind krank und ich möchte mich ungern bei Ihnen anstecken. Vielleicht ist es keine normale Erkältung, wie man sie in Deutschland kennt. In Afrika gibt es ja zahlreiche Krankheiten.“ Mit hochgezogenen Augenbrauen antwortete ich ihr: „Solch eine ungebildete Aussage habe ich schon seit längerem nicht gehört.“ und ließ sie stehen. 

 

 

Ich kann mich auch an viele rassistische Bemerkungen von Kindern und Schülern aus der Kindergarten- und Schulzeit erinnern, die sich auf meine Gesichtszüge, meine Hautfarbe oder meine Haare bezogen. Woran ich mich nicht erinnern kann sind weitgehende Konsequenzen, außer der Bitte von Erziehern und Lehrern diese Kommentare zu unterlassen.

Für mich hat Rassismus also schon immer existiert und nicht erst vor einigen wenigen Jahren. Ich glaube der Unterschied zu früher ist einfach, das solche rassistischen Verhaltensweisen und Kommentare nicht mehr nur mit den Freunden, der eigenen Familie oder Autoritätspersonen geteilt werden, sondern nun auch mit der ganzen Welt durch Social Media. Gott sei Dank haben viele Menschen keine Angst mehr ihre verletzenden Erlebnisse zu teilen. Auch die lauten Zeugen rassistischer Taten und Äußerungen verdienen meinen größten Respekt. Durch solche Aktionen wird dem normal deutschen Bürger erst klar, dass Rassismus in Deutschland kein Einzelfall ist, sondern etwas Alltägliches. Verursacher sind dabei nicht nur die bekannten selbsternannten Nazis, sondern auch Autoritätspersonen, wie Sportlehrer, die dunkelhäutige Schüler anders bewerten als ihre Mitschüler, weil sie  von Natur aus einen sportlichen Vorteil hätten und deshalb noch mehr leisten müssten um bessere Noten zu bekommen. Auch die Sachsener Polizei hatte vor Kurzem einen Shitstorm abbekommen. Grund dafür waren rassistische Bemerkungen gegenüber Ausländern durch Polizei-Azubis und ihre Vorgesetzten. Den Artikel dazu gibt es bei Stern zu lesen.

Seit der Flüchtlingskrise wurden die rassistischen Stimmen natürlich lauter. Der deutsche Bürger denkt, er hätte das Recht rassistisch zu sein, weil einige Flüchtlinge sich nicht zu benehmen wissen (Aber ist das nicht auch bei den deutschen Bürgern der Fall?!) Dazu gehören leider auch viele Politiker, die sehr rassistische und ungebildete Kommentare von sich lassen.

Vor allem die AFD fällt in letzter Zeit durch ihre Bemerkungen gegenüber Afrikanern und Flüchtlingen auf. So äußerte sich Herr Andreas Winhart bei seiner Wahlkampfrede folgendermaßen:

“Ich möchte wissen, wenn mich in der Nachbarschaft ein Neger anküsst oder anhustet, ist er krank oder ist er nicht krank.”

Erschreckend dabei ist, dass die AFD trotzdem oder gerade deshalb so viele deutsche Anhänger hat. Und das im 21. Jahrhundert. 

 

 

Bei Politikern mit solch einer Auffassung frage ich mich ständig, in was für einem System wir leben und warum solche Verhaltensweisen nicht ernst genommen und mit Konsequenzen gestraft werden. Dies hat gar nichts mit der Meinungsfreiheit zu tun, die wir so schätzen, sondern mit der Wissensbeschränktheit des rechten deutschen Bürgers. Die darunter Leidenden sind dabei keinesfalls „empfindlich“ oder versuchen Deutschland nur wieder als das vergangene „Nazi-Deutschland“ darzustellen. Es ist nun mal die Realität mit der sie und auch ich von Tag zu Tag leben. Durch das Teilen dieser Realität erhoffen wir uns den Menschen, denen das Ausmaß des Rassismus in Deutschland noch nicht bekannt ist, die Augen zu öffnen und endlich ernst genommen zu werden. 

„Bei mir ist alles in Ordnung, aber bei Ihnen anscheinend nicht. Sie sind krank und ich möchte mich ungern bei Ihnen anstecken. Vielleicht ist es keine normale Erkältung, wie man sie in Deutschland kennt. In Afrika gibt es ja zahlreiche Krankheiten.“                                 -eine ältere Dame

"… ich werde nicht mehr länger für Deutschland auf internationalem Niveau spielen, solange ich das Gefühl habe, rassistisch angefeindet und nicht respektiert zu werden."                                   - Mesut Özil

“Ich möchte wissen, wenn mich in der Nachbarschaft ein Neger anküsst oder anhustet, ist er krank oder ist er nicht krank.”                                                                    - Andreas Winhart, AFD-Politiker

"Durch das Teilen dieser Realität erhoffen wir uns den Menschen, denen das Ausmaß des Rassismus in Deutschland noch nicht bekannt ist, die Augen zu öffnen und endlich ernst genommen zu werden."                                   - Adelaide Wolters