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#SoulSurgery Nr.1 [Selbstwert]

Es ist der 31. Juli 2018. Die Sonne scheint während ein leichter Wind durch meine Haare weht.

Ich befinde mich in der Hamburger Innenstadt, kurz vor meiner Arbeitsfirma.

Die Human Resources Managerin steht vor dem Gebäude. Anscheinend wartet sie auf eine Arbeitskollegin, denn ist Mittagszeit.

Ich gehe auf sie zu und wir grüßen uns freundlich. Dann erkläre ich ihr, dass ich mich nach langem Überlegen dazu entschieden habe zum 30. August zu kündigen.

Ihr freundlicher Blick wechselt über in einen traurigen, jedoch verständnisvollen Gesichtsausdruck. Ich hole den Umschlag mit der Kündigung aus meiner Tasche und reiche in ihr.

Sie nimmt ihn entgegen, teilt mir mit, dass sie meine Entscheidung sehr bedauert und wünscht mir einen schönen Urlaub. Ich verabschiede mich dankend bei ihr und mache mich wieder auf dem Weg zum Bahnhof.

Erleichterung macht sich in mir breit und ich kann endlich ausatmen.


 

Vor einem Jahr noch war für mich dort alles super! Ich freute mich endlich einen Job mit geregelten Arbeitszeiten  und am Wochenende Zeit für meinen Mann, die Familie und Freunde zu haben. Die Chefs waren mit meiner Arbeit zufrieden und so bekam ich spezielle Projekte in die Hand gedrückt. Die Harmonie endete jedoch irgendwann, weshalb ich den Entschluss fasste meinen Job zu kündigen.  *

 

Es war die beste Entscheidung, die ich hätte tun können, aber den Mut diese Entscheidung zu treffen, hatte ich nur, weil für mich eine ganz wichtige Person im Vordergrund stand:

Ich.

Anfänglich wäre das Ganze für mich undenkbar gewesen. Nicht nur, weil mir damals noch der Arbeitsplatz gefiel, sondern weil meine Eltern stolz darauf waren, dass ich eine Stelle in solch einer guten Firma besetzte. Weil meine Chefs super zufrieden mit meiner Arbeit waren. Weil ich nach der Ausbildung im Hotel nun endlich mehr als 1.000€ verdiente und mein Mann und ich somit die Miete und alle anderen Kosten endlich 50:50 teilen konnten und letzten Endes, weil der Job finanzielle Sicherheit versprach. Doch irgendwann musste ich mir eingestehen, dass all dies nichts bedeutete, wenn ich darunter zerbrach. Ich kam jeden Abend psychisch erschöpft und ausgebrannt nach Hause und jeden Morgen graute es mir erneut davor zur Arbeit zu gehen. Schlussendlich litt nicht nur ich darunter, sondern auch die Menschen, die mir wichtig waren und für die ich mich täglich erneut zur Arbeit schleppte.

 

In diesem einem Jahr lernte ich eine Sache kennen, die mir bis dahin nicht so ganz vertraut gewesen war (zumindest nicht außerhalb von Liebesbeziehungen).


Selbstwert.

Und damit änderte sich meine Einstellung und auch meine Erduldung von negativen Dingen, die ich im Grunde doch kontrollieren konnte. Ich besaß ein Privileg, dass ich bis dahin noch nicht kannte, nämlich die Freiheit mein Leben so zu gestalten, wie ich es wollte. Mir ist bewusst, dass vielen Menschen diese Möglichkeit durch extreme Armut oder andere Umstände versagt bleibt. Und glaubt mir, ich bin überaus dankbar für dieses Privileg.

 

Ich kann deshalb nur jedem ans Herz legen:

Es liegt an dir selbst dein Selbstwertgefühl zu erhalten oder wieder aufzubauen. Suche die Affirmationen bei dir selbst und nicht bei anderen, lobe dich selbst, tue dir etwas Gutes, weil du es wert bist! Geh mit dir selbst aus. Streiche die Menschen oder auch Jobs aus deinem Leben, die deine Kompetenzen und Fähigkeiten mit ihren Worten niedertreten und untergraben. Bete für dich. Lächle dein Spiegelbild an und sei glücklich über das was du siehst.  Ich weiß, dass wir manchmal anderen zu Liebe Dinge tun, die für uns selbst überhaupt nicht gut sind. Wir nennen das oft Rücksicht oder loben es als Selbstlosigkeit. Das ist falsch! Des Weiteren mag sich Lob und Ansporn durch andere gut anfühlen, aber wenn du dir selbst täglich klar machst was du wert bist, sind externe Affirmationen nicht mehr essentiell. Dieser Prozess geschieht nicht von heute auf morgen. Dein altes Ich wird sich wehren, dir sagen, dass du dir das nicht erlauben kannst. Aber wenn dieser Prozess überwunden ist, entwickelst du Liebe für dich selbst. Die größte WERTIGKEIT, die du dir SELBST geben kannst.

 

 

 

 

*Aus rechtlichen Gründen unterlasse ich es bzgl. meines Kündigungsgrundes zu sehr ins Detail zu gehen.